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Promenadendeck Erfurt fotografiert von Aron Jungermann für SEH Engineering Hannover

PROMENADENDECK | ERFURT

RAD- UND FUSSGÄNGERBRÜCKE
SCHLAICH BERGERMANN PARTNER MIT DKFS ARCHITECTS, LONDON
SEH ENGENEERING, HANNOVER

Gute Arbeit spricht nicht für sich

Das Projekt war abgeschlossen, die Arbeit getan – und trotzdem existierte es in der Außenwirkung praktisch nicht. Die SEH Engineering GmbH hatte als Projektpartner keine Bilder, die der Komplexität des Bauwerks gerecht wurden. Keine Perspektive, die zeigte, was hier wirklich geleistet worden war.

Das Promenadendeck in Erfurt: Geplant von schlaich bergermann partner DKFS ARCHITECTS LIMITED aus London, Landschaftsarchitektur von SINAI. Ein Bauwerk, das eine Stadt verbindet – und das in seiner Struktur eine Kühnheit besitzt, die man erst begreift, wenn man die richtigen Bilder sieht.

Was die Kamera zeigt, was das Auge übersieht

Vom Boden aus wirkt die Brücke wie eine selbstverständliche Querung. Erst die Drohne enthüllt die eigentliche Idee: Zwei Brückenarme kreuzen sich in einem spitzen Winkel über dem Fluss. Ein gefaltetes System, das Höhenunterschiede überwindet und dabei eine Form erzeugt, die aus der Vogelperspektive fast skulptural wirkt.

Und dann die Untersicht. Die schlanken Betonscheiben, die sich wie Origami-Flächen ineinanderfalten. Die Schattenspiele auf dem Wasser. Die Stille, die sich unter diesem Bauwerk aufbaut, während oben die Stadt weiterläuft.

Diese Bilder entstehen nicht zufällig. Ich war früh morgens da, am Mittag, in der Abenddämmerung. Ich wollte sehen, wie das Licht das Tragwerk verändert – wie aus einer Ingenieursleistung plötzlich etwas fast Sinnliches wird.

Treffpunkt

Den stärksten Moment erlebte ich, als die Sonne unterging und die in die Struktur integrierten Leuchten angingen. Die Lichtbänder an den Brüstungen begannen zu leuchten. Und dann kamen die Menschen. Jugendliche auf den Stufen. Ein Pärchen auf der angewinkelten Holzbank. Stimmengewirr, Gelächter. Das Promenadendeck ist kein Ingenieurbauwerk mehr, wenn der Abend kommt – es ist ein Treffpunkt. Ein Stadtbalkon. Ein Ort, der längst zur Stadt gehört.

Das ist das Paradox hervorragender Ingenieursarbeit: Je besser sie ist, desto selbstverständlicher wirkt sie. Meine Arbeit besteht darin, genau das sichtbar zu machen.